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Forum der Bandscheiben 03/05/2002 |
Sendung auf Arte, die nachdenklich stimmt !Autopsie eines SelbstmordesDokumentarfilm von Agnès Lejeune und Eric Monami,ARTE/RTBF, Belgien 1999, 71 min. Im Mai 1999 brachte die Brüsseler Tageszeitung "La Dernière Heure" einen Artikel über den Selbstmord eines Arbeiters im Volkswagenwerk von Forest im Verwaltungsbezirk Brüssel. Der 49-jährige Francis Verstaen, der seit zehn Jahren in dem Werk arbeitete, hatte sich vor den Augen von zwei Dutzend seiner Kollegen eine Kugel in den Kopf geschossen. Wenige Tage später ließen seine Angehörigen eine Richtigstellung in der Zeitung veröffentlichen, wonach Verstaen sich wegen eines vom Arbeitgeber nicht anerkannten Arbeitsunfalls das Leben genommen habe. Und sofort legte sich ein Mantel des Schweigens über die Angelegenheit. Diese scheinbar banale Geschichte hatte ihren Ausgang bereits 1993 genommen: Francis Verstaen erlitt einen Arbeitsunfall, wofür es mehrere Zeugen gibt. Er wurde zwischen einem "Clark" und einem Container eingeklemmt, wobei sein Kreuzbein einem Druck von einer Viertel Tonne ausgesetzt wurde. In den folgenden Wochen litt Verstaen unter Schwindelanfällen, Übelkeit und Schmerzen im Kreuz. Er war drei Monate krank geschrieben, bis der VW-Vertrauensarzt meinte, die Schmerzen, über die Verstaen klagte, stünden in keinem ursächlichen Zusammenhang mehr mit dem Arbeitsunfall. So nahm Verstaen die Arbeit wieder auf, doch trotz zahlreicher weiterer Behandlungen ließen die Schmerzen nicht nach. Ab dieser Zeit begann für Francis Verstaen ein langer und kräftezehrender Kampf, in dessen Verlauf er nachzuweisen versuchte, dass er tatsächlich unter diesen Schmerzen litt, auch wenn sie in keinem der medizinischen Gutachten als Folge des Unfalls diagnostiziert wurden. Gleichzeitig unterzog er sich zahlreichen Behandlungen, die davon zeugen, dass er um jeden Preis gesund werden wollte. 1997 wurde Francis Verstaen nach mehreren Anläufen vom Arbeitsgericht Bergen endgültig abgewiesen; das Gericht konnte keinerlei Zusammenhang zwischen seinem Arbeitsunfall und seinen Schmerzen feststellen. Nach dieser Ablehnung zog sich Verstaen völlig in sich zurück und vereinsamte zusehends. Sein seelischer Zustand verschlechterte sich nach und nach, und offensichtlich schaffte er es nicht, das Ruder herumzureißen, denn am 18 Mai 1999 erschoss er sich. Nach seinem Selbstmord am Arbeitsplatz hat keiner, weder seine Kollegen noch die Gewerkschaften noch die Direktion von VW, irgendetwas unternommen, um den Sinn dieser Tat zu verstehen. Francis Verstaens Selbstmord wurde als die Handlung eines einsamen und deprimierten Mannes dargestellt, von dem sich die anderen abgewandt hatten. Das Bild des "Losers" überdeckte diesen Selbstmord und ließ Mitgefühl und Verständnisbereitschaft in den Hintergrund treten. Auch auf seiner Beerdigung ließ sich kaum einer seiner Kollegen blicken. Seine Familie jedoch fand nach dem Selbstmord ein Tagebuch, das zeigt, wie wichtig ihm seine Arbeit war. |
| La Chaîne du Silence - Autopsie d'un suicide à l'usine |
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